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Szenische Darstellung [Schulen im Nationalsozialismus]
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Ein Überblick über die Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf
 

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Szenische Darstellung

Eine szenische Darstellung von „Schulen im Nationalsozialismus“ wurde am 30. Januar 2007 im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung für Schüler, Eltern und Lehrer in der Aula des Berliner Beethoven-Gymnasiums aufgeführt.
Die Texte der drei ersten Szenen basieren auf Schuldokumenten aller Steglitz-Zehlendorfer Gymnasien und können je nach Quellenlage für andere Regionen angepasst werden.
Die vierte Szene und fünfte Szene sollen über die Zwischenschritte am Ende der dritten Szene zur heutigen Zeit führen. Auch diese Texte sind inhaltlich authentisch (→ Politiker loten Grenzen aus und Historiker, Kulturprominenz), können aktualisiert werden und bieten Möglichkeiten, ideologische, historische Zusammenhänge zu diskutieren.
Diesem Ziel dient auch die Eingangsszene „Der deutsche Mittagstisch“ von Th. Bernhard.

Konzeptioneller Grundgedanke: Eine noch immer viel diskutierte Epoche deutscher Zeitgeschichte soll aus dem ortsnahen, unmittelbaren Umfeld heutiger Schülerinnen und Schüler verdeutlicht und nachvollziehbar gemacht werden – und zwar auch mit Hilfe musischer Elemente.
Die in den Szenen angesprochenen Aspekte sollen in eine aktuelle Problemdiskussion münden. Aus dem Blick zurück entwickelt sich der Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft.
Eine vertiefende Bearbeitung im Geschichtsunterricht wäre möglich.


Einleitungsmusik: Großbildansicht

  • Einleitungsmusik (Klavier, Klarinette): verfremdende Montage aus „Wacht am Rhein / Deutschland-Lied / Marsch / Horst-Wessel-Lied“
  • Einleitungsszene: „Der deutsche Mittagstisch“ (Thomas Bernhard)


1.Szene: 1933 - 1945, Schulleiter

(Sprecherin; Schulleiter X, Y, Z)

"Der deutsche Mittagstisch": Großbildansicht Sprecherin: Der 30. Januar 1933. Steglitz war eine Hochburg der Rechten. Die Antidemokraten erreichten ca. 65%. Der Bezirksbürgermeister war Mitglied der NSDAP und der SS. In diesem Umfeld wurde unterrichtet und erzogen. Steglitz-Zehlendorfer Schulleiter haben dabei die Richtung vorgegeben. Hier ein paar Beispiele:

Schulleiter X: So führt alle Bildung zur höheren Gemeinschaft des Blutes und des Bodens. Eine deutsche Schule wollen wir sein, deutsche Mädchen zu deutschen Frauen erziehen. Das deutsche Mädchen will nicht fehlen, wenn der Kreis sich schließt und eins dem anderen Treue schwört.

Schulleiter Y: Erziehung der Jugend zum bedingungslosen Einsatz für Freiheit und Ehre, für Führer, Volk und Vaterland. Das Individuum ist um der Gemeinschaft willen da, nicht umgekehrt. Du bist nichts, Dein Volk ist alles!

Schulleiter Z: Wir holten die ruhmbedeckte Fahne Schwarz-Weiß-Rot aus ihrem Versteck, um sie in brüderlicher Gemeinschaft mit dem Symbol der nationalsozialistischen Bewegung, dem Hakenkreuzbanner, stolz zu zeigen. Festtage und Weihefeiern brachte uns das erste Jahr nationalsozialistischer Führung in reicher Fülle.

Schulleiter X: Heute ist die deutsche Volksgemeinschaft, für die Adolf Hitler mit seinen Getreuen gekämpft, gelitten und geblutet hat, zum Ereignis geworden. Hitlerjugend und Jungvolk wetteiferten miteinander in ihrer Liebe zum Führer dieser stolzen völkischen Erneuerung. Unsere Primaner taten mit Begeisterung Dienst in der SA und SS.

Schulleiter Y: Unsere Schülerschaft ist bis zu 90% in den Organisationen unseres neuen Staates fest integriert. Und es wird immer mein Bestreben bleiben, eine enge Verbindung der Schule mit der Partei herzustellen. Mit den Ortsgruppen der Partei standen wir in bestem Einvernehmen. Wir haben an den Schulen auch die Schriften des Nationalsozialistischen Lehrerbundes verbreitet.

Schulleiter Z: Dieses Gymnasium ist nur ein kleiner Teil in dem großen Organismus völkischer Schaffenskraft und völkischen Arbeitswillens. Gott gebe dieser Schule die Kraft, mitzuhelfen an der Erreichung des hohen Zieles unseres großen Führers. Wenn es sein muss, dafür auch zu sterben!

  • Musik (Klavier, Klarinette): Dt.-Lied / Horst-Wessel-Lied, verfremdet, wie oben)

2.Szene: Schulalltag

(Sprecherin; A, B, C, D, E)

Sprecherin: Ich frage Sie: Wer hat denn die Nazi-Ideologie in die Schulen getragen? Die Schulen für den Nationalsozialismus missbraucht? Und zwar sofort nach dem 30. Januar! Auch Schulveranstaltungen wurden intensiv genutzt, z.B.

A: Lautsprecherübertragungen von den Parteitagen

B: Hitler- und Goebbelsreden für alle in der Aula oder als Rundfunkübertragung für das Lehrerkollegium

C: Feiern zur „Machtergreifung“

D: Feierstunden für die Gefallenen des 9. November 1923

A: Ansprache des Direktors mit „Heil auf den Führer, der einem ruchlosen Anschlag glücklich entgangen ist“

B: Erinnerungsstunde an das „Diktat von Versailles“

C: Heldengedenkfeiern

D: Tannenbergfeiern

A: Feier für die Prämierung einer Schülerin für „Mein Kampf“

B: Ausstellung „Frau und Mutter, Lebensquell des Volkes.“

Sprecherin: Usw. usw. Dazu kamen dann noch die Filmbesuche. So ziemlich alle Propagandafilme wurden vorgeführt. Oder ein Beispiel zum Biologieunterricht:

E: „Doch jetzt“, tönt es aus aller Munde, Szenenbild: Großbildansicht „kommt Gott sei Dank die Rassenkunde.“

B: Da waren alle wir gescheit: Bei ostisch ist der Schädel breit. Der nordsche Mensch ist hoch gebaut, der ostische hat gelblich-braune Haut.

E: Wir kannten alle hies’gen Rassen, Das muss uns selbst der Neider lassen.

Sprecherin: Der Reichskultusminister: „Eine Hauptvoraussetzung für gedeihliche Erziehungsarbeit ist die rassische Übereinstimmung von Lehrer und Schüler. Kinder jüdischer Abstammung bilden für die nationalsozialistische Erziehung auf den Schulen ein starkes Hindernis.“

C: Der NS-Lehrerbund ergänzt: „Wir können eine Verherrlichung des jüdischen Verbrechervolkes in den deutschen Schulen nicht länger dulden“.

D: 1938 gab es an einigen Schulen keine jüdischen Schüler mehr.

A: Übrigens: Nur das Fichtenberg-Gymnasium erinnert heute mit einer Gedenktafel an jüdische Opfer.

Sprecherin: Ein Dichter wird in die Aula geholt. Von ihm stammt z.B. folgendes Gedicht:

E: Herr Gott, steh dem Führer bei, dass sein Werk das Deine sei, dass Dein Werk das seine sei. Herrgott steh dem Führer bei.

B: Herrgott, steh uns allen bei, dass sein Werk das Unsre sei, dass unser Werk das seine sei. Herrgott, steh uns allen bei.

Sprecherin: Zur Lektüre im Deutsch-Unterricht gehörte auch Heinrich Anacker. Auf Anackers Konto geht auch das „Lied der Hitlerjugend“:

C: „Wir sind die Hitlerjugend und helfen euch befrei’n.

D: Wir steh’n mit unserm jungen Blut für Volk und Heimat ein!

A: Wir kennen keine Klassen, nur Deutsche treu geschart.

C: Der Weltfeind, den wir hassen, ist nicht von deutscher Art.

  • Musik (Klavier, Klarinette): z.B. Moorsoldaten

Sprecherin: Die Liste nationalsozialistischer Aufsatz- und Abiturthemen aus den Oberschulen in Steglitz und Zehlendorf ist sehr, sehr lang. Ein paar Beispiele:

A: Die geistigen Grundlagen des Nationalsozialismus

B: Volk ohne Raum Szenenbild: Großbildansicht C: Welche Eigenschaften muss ein Führer besitzen?

D: Mein Dienst in der Hitlerjugend

A: Warum bin ich in der SA?

B: Warum muss der junge Deutsche heute einer politischen Jugendorganisation angehören?

C: BDM und Arbeitsdienst als Erziehungsmittel für die weibliche Jugend.

D: Wie können deutsche Frauen und Mädchen dazu mitwirken, dass Deutschland den Krieg gewinnt?

A: Soll auch die deutsche Frau etwas Soldatisches an sich haben?

B: Was habe ich durch Unterricht und Lektüre über den Geist unserer Soldaten erfahren?

C: Welche Bedeutung haben Blut und Boden für uns gewonnen?

D: „Krieg ist aller Dinge Vater“

3. Szene: Nachkriegszeit

(Sprecherin; Schulleiter X, Y, Z; A, B)

Szenenbild: Großbildansicht Sprecherin: Usw. usw. Das Alles war also mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag in den Steglitz-Zehlendorfer Oberschulen vereinbar. Schließlich sollte dort Bildung vermittelt werden. Von gebildeten Lehrerinnen und Lehrern! Für die Kinder gebildeter Eltern! Hat das Alles nichts mit den Nürnberger Gesetzen zu tun? Nichts mit der Reichspogromnacht? Nichts mit der Wannseekonferenz? Nichts mit den 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs? Selbstverständlich hat man sich nach 1945 noch an die Nazi-Zeit erinnert. Das hörte sich dann so an:

Schulleiter X: Unsere Schule hat auch in der Hitlerzeit ihre Würde nicht verloren. Unsere Schule hat jederzeit ihre Schüler zu wahren Menschen und guten Staatsbürgern erzogen.

Schulleiter Y: Die Schule hat ihren gewachsenen Geist diskret aufrecht gehalten, ohne Krach, ohne Skandal und zum Nutzen der Eltern und Schüler. Den Zusammenbruch aller Werte mussten wir dann 1945 erleben.

Schulleiter Z: Auch ich habe meine Würde als Schulleiter eines erhabenen Gymnasiums nicht verloren. Die Siegermächte haben das 1945 anders gesehen und mich meines Amtes enthoben. Bedauerlich. Aber schon 1951 konnte ich in meiner alten Schule wieder als Schulleiter tätig sein. Ich bin sehr dankbar, dass meine Schule mich sehr bald wieder voll rehabilitiert hat.

A: In den Homepages fast aller Gymnasien wird heute die NS-Zeit als Zeit der Namensänderungen, vor allem aber als Kriegszeit dargestellt. Die Schulen waren Opfer der vom Feind geworfenen Bomben.

B: Dagegen heißt es im pädagogischen Profli einer Schule: „Wir betrachten es als ausdrückliche Aufgabe, nationalsozialistischen und rechtsextremen Erscheinungen und Tendenzen aktiv entgegenzuwirken. Basis dafür ist ein ehrlicher Umgang mit diesem Teil unserer Geschichte.“

4.Szene: "Neue Leitkultur"

(Sprecherin; A, B, C, D, E)

C: Heute wird eine „neue Leitkultur“ diskutiert. Die geschichtliche Selbstdarstellung der Gymnasien passt ziemlich genau in diesen Trend:

Sprecherin: 1988

D: Bundestagspräsident Jenninger: „War Hitler nicht wirklich ein Führer, wie er einem Volk nur einmal in tausend Jahren geschenkt wird? Mussten die Juden nicht endlich mal Einschränkungen in Kauf nehmen? Hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken gewiesen zu werden?“ Jenninger zitiert sodann so ziemlich das gesamte wirtschaftliche und militärische „Erfolgsprogramm“ Hitlers, wie es heute noch immer an deutschen Stammtischen zur Relativierung und zumindest teilweisen Rechtfertigung des NS-Regimes kolportiert wird.

Sprecherin: 2003

A: Martin Hohmann, Mitglied des Deutschen Bundestags: „Es verwundert, dass noch keiner den Verzicht auf Messer und Gabel vorgeschlagen hat, wo doch diese Instrumente der leiblichen Kräftigung der damaligen Täter dienten.“

Sprecherin: 2004

B: Der Steglitz-Zehlendorfer Bürgermeister Herbert Weber nennt das Erinnern an Auschwitz eine „Erinnerungsreligion“. Damit will er Schluss machen.

Sprecherin: 2005

C: Das Steglitz-Zehlendorfer Bezirksparlament beschließt: „Der 8. Mai 1945 steht auch für den Schrecken und das Leid der Bevölkerung, den die Rote Armee zu verantworten hat.“

Sprecherin: 2006

D: Der Bundestagsabgeordnete Nitzsche verlangt, Deutschland solle „endlich vom Schuldkult“ herunterkommen.

A: Der Bundesbeauftragte Hermann Schäfer spricht unter dem Thema „Gedächtnis Buchenwald“ über Flucht und Vertreibung der Deutschen. Die KZ-Opfer in Buchenwald thematisierte er nicht.

B: Der Historiker Arnulf Baring: Die Judenvernichtung als Verbrechen ist nicht einzigartig und unvergleichbar. Der CDU-Fraktionschef im hessischen Landtag meint, Baring habe „vielen aus dem Herzen gesprochen“.

C: Der Kulturchef des „Spiegel“: War Hitler vielleicht nicht doch nur „ein Freak-Unfall der Deutschen“?

B: Rafael Seligmann ruft: „Ein Staat, Lied: Großbildansicht dessen Männer nicht bereit sind, für ihr Vaterland zu sterben, wird untergehen“.

  • Lied (als Antwort zu Seligmann): „Sag’ mir, wo die Gräber sind“ (drei Strophen)

C: Der Schriftsteller Martin Walser reklamiert ein „Recht zum Wegsehen und Weghören“, wenn es um die NS-Zeit geht.

E (Monolog): Ich muss zur Arbeit. Fahre mit der U-Bahn bis Rathaus Steglitz. Muss weiter mit dem Bus. Viele Leute hasten hinter, vor und neben mir daher. Dort an der Säule sitzt doch sonst immer ein Musiker. Spielte bekannte Lieder. Heute nicht. Ziemlich ruhig. Halt! Ich glaub’s nicht. Doch, es ist so: Es kommt ein Pärchen. Ganz normal. Er pfeift. Locker und unbeschwert pfeift er. Aber was pfeift er? Hier? Am helllichten Tag? An einem Berliner Verkehrsknotenpunkt? Er pfeift klar und unüberhörbar das „Horst-Wessel-Lied“! Ich stutze, bleibe stehen. Das geht doch nicht! Kein Mensch reagiert. Kennt heute kein Mensch mehr dieses Nazi-Lied? Warum reagiert keiner?Szenenbild: GroßbildansichtWeiß der Typ, dass er es unbehelligt pfeifen kann, weil keiner reagiert? Der Mann pfeift weiter.Kristallklar. Er weiß, was er mit seinem Pfeifen mitteilt. Ich fühle mich hilflos. Ich lasse ihn gewähren. Bin ich wirklich so hilflos? Wie viele mögen damals weggehört und weggesehen haben? Soll ich wegsehen und weghören? Aber ich will nicht, dass meine sich hilflos schließenden Augen zur Maxime eines gesellschaftlichen Verhaltens erklärt werden. Ich will es nicht!

5. Szene: Solinger Messer

Sprecherin: 2007 schreibt ein Bürgermeister an die NPD: Ich möchte Ihnen zum Einzug in den Schweriner Landtag gratulieren. Ihre Wähler haben die Hoffnung, endlich eine Alternative zur gesellschaftsverstümmelnden Politik der etablierten Parteien in den Landtag zu befördern. Und: Die Solinger Stadtspitze feiert den Geburtstag des Bauunternehmers Gustav Kissel:

Mutter, Tochter, Sohn, Gastgeber (Kießel), Oberbürgermeisterin, Gäste

Tochter (hat sich bei der Maniküre verletzt): Autsch! Verdammt! Es blutet.

Sohn: Hab’ ich dir doch gesagt: Die Dinger sind ganz neu und scharf.

Mutter (hantiert mit Besteck, hält Messer in der Hand): Na klar, Messer müssen scharf sein. Solinger Wertarbeit.

Sohn: Messer aus Solingen. Scharf und hart wie Krupp-Stahl!

Mutter: Auch Gustav Kießel benutzt Solinger Messer.

Tochter: Hat der nicht heute Geburtstag? Ist doch wohl ne etwas merkwürdige Figur.

Sohn: Ja, als Rechtsextremist hier weit und breit bekannt. Bekommt aber trotzdem heute seine große Geburtstagsfeier.

Mutter: Nun, ich habe Kießel auch noch nie mit Glatze und Springerstiefeln rumlaufen sehen. Als Unternehmer hat er für Solingen immerhin ja auch große Bedeutung!

Mutter, Tochter, Sohn gehen ab. Gastgeber packt Geschenke aus. Gäste kommen.

Gastgeber (zu den Gästen): Ich freue mich außerordentlich, dass Sie, meine liebe Frau Oberbürgermeisterin, und auch Sie, meine sehr verehrten Ratsmitglieder, zu mir gekommen sind. ... Lassen sie mich ein paar Worte sagen: ... Gegen die von gewissen Kreisen immer wieder verbreitete Legende einer deutschen Kriegsschuld müssen wir uns doch energisch wehren! Alles Propaganda der Alliierten. Wir kennen das ja. ... Und die Juden? Die Konzentrationslager? ... Es sind doch wohl höchstens, nun sagen wir mal, vielleicht 500 000 Juden umgekommen! ... Holocaust! Allein schon dieser fremdländische Ausdruck! ... Fragen Sie mal meinen Freund David Irving. ...Wir müssen leider immerfort erfahren, dass gegen uns Deutsche böse Unwahrheiten verbreitet werden. ... Aber das Alles kennen Sie ja. Und Sie wissen auch, wie großzügig ich meine alten und neuen Kameraden unterstützt habe. ... Eine Hand wäscht die andere. Aber … von diesem Straßenpöbel - das möchte ich doch sehr betonen - habe ich mich immer distanziert! Sie wissen ja: Der Krupp, der Flick, der Thyssen hier nebenan: Die hatten damals auch nix, rein gar nix mit diesen unappetitlichen Rangeleien auf der Straße und in den so genannten Konzentrationslagern zu tun. Ja, ich danke Ihnen sehr, dass Sie alle als Vertreter unserer Stadt mich an diesem Geburtstag zu würdigen wissen.

Oberbürgermeisterin (Glas in der Hand): Aber, aber, mein Lieber. Das ist doch wohl unsere rechts ... äh ... recht verstandene Pflicht. Wir wissen doch, dass Sie schon seit vielen, vielen Jahren zu den geachteten Bürgern unserer Stadt zählen. Wir wollen heute auf Ihr ganz persönliches Wohlergehen und zugleich auch auf das Wohl unseres deutschen Vaterlandes anstoßen.

//Sprecherin: In den 90er Jahren wird der „Aufstand der Anständigen“ ausgerufen. 2006 gibt es einen Anstieg rechter Straftaten um mehr als 50%. Rechtsextreme Einstellung ist ein Problem in der Mitte der Gesellschaft. Antidemokratische Auffassungen normalisieren sich. Rechtsradikale Parteien gewinnen bei Wahlen immer mehr Stimmen: Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin … Wie mag es weitergehen?


Diskussion:

Hintergrund ist die historische Bedeutung des 30. Januar 1933.

Diskussion: Großbildansicht

  • Wie sah der Schulalltag nach dem 30. Januar 1933 aus?
  • Wie wird die NS-Zeit heute in den Homepages dieser Schulen dargestellt?
  • Lassen sich Verbindungslinien zur heutigen „Leitkultur-Diskussion“ aufzeigen?
  • Sollte die jeweils eigene Schulgeschichte stärker in die heutige Unterrichtsarbeit einbezogen werden?
  • Aktualisierungen: „Neue Rechte“ …

Abschlusslied: „Wenn ich mir was wünschen dürfte ...“ (F. Hollaender)


Zusammenstellung und Bearbeitung der Texte: Peter Noll

Idee und Leitung zu „Der deutsche Mittagstisch“: Joachim Dams

Musikarrangements: Axel Finck

Ausführende: Schülerinnen und Schüler des Beethoven-Gymnasiums


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