Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/parserutils.php on line 219

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/parserutils.php on line 222

Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/parserutils.php on line 359

Deprecated: Function split() is deprecated in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/auth.php on line 134

Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/parserutils.php:219) in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/auth.php on line 224

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/auth.php on line 374

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/auth.php on line 374

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/auth.php on line 371

Deprecated: Function split() is deprecated in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/common.php on line 798

Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/parserutils.php:219) in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/actions.php on line 105
Aus den Homepages der Gymnasien [Schulen im Nationalsozialismus]
[[Impressum]]
Ein Überblick über die Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf
 

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w0072d81/noll/wiki/inc/html.php on line 162

zurück zum ⇐ Start
zurück ← Der Bezirk Steglitz – Zehlendorf
weiter → Aus den Schularchiven der Gymnasien

Aus den Homepages der Gymnasien

„Wer über die Geschichte einer Schule schreibt, schreibt auch über die deutsche Geschichte und kann nicht die Jahre 1918, 1933 und 1945 außer acht lassen, ebenso wenig die Tatsache, dass der Schulalltag mit Resten einer unbewältigten Vergangenheit zu ringen hat.“ 1)

In der Diskussion über neonazistische Haltungen bei Jugendlichen werden auch schulische Unterrichts- und Erziehungsdefizite verantwortlich gemacht.
Das führt zu Fragen nach Inhalt und Intensität des diesbezüglichen Unterrichts, schließlich auch zu den hier behandelten Fragen, wie sich Schulen ihrer Geschichte bewusst sind und wie sie sich heute in ihrer historischen Entwicklung darstellen.

„Schulgeschichte ist ein Widerschein der Zeitgeschichte.“ 2)

Auch die Darstellung der Schulgeschichte ist ein solcher „Widerschein“, ebenso wie die zu verschiedenen Zeiten abgegebenen Urteile über die Schule und deren Geschichte (→ Die NS-Zeit der Schulen im Rückblick).

Auf eine qualifizierte Schulbildung wurde und wird in Steglitz-Zehlendorf viel Wert gelegt. Steglitz-Zehlendorf war und ist der Bezirk in Berlin mit dem größten Angebot an weiterführenden Schulen (z.B. 13 Gymnasien, einige erst nach 1945 zu Gymnasien umgewandelt).

Entsorgung der Geschichte?

Wie vermitteln Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf ihr geschichtliches Selbstverständnis der Öffentlichkeit? Gerade Gymnasien sind ja klassische Träger von Traditionen.

Das heute zeitgemäße Informations- und Präsentationsmedium ist das Internet. Alle Gymnasien haben ihre Homepage ins Internet gestellt. Fast alle haben dort auch ihre geschichtliche Entwicklung, ihr geschichtliches Selbstverständnis und ihren daraus abgeleiteten Unterrichts- und Erziehungsauftrag der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Homepage soll die Funktion einer modernen, informativen, werbenden Visitenkarte erfüllen. Adressaten sind hauptsächlich Eltern anzumeldender Kinder oder an einem Schulwechsel interessierte Schüler und Lehrkräfte. Das Informationsbedürfnis der Adressaten dürfte sich im wesentlichen auf den Jetzt-Zustand (Schulprofil, Angebote, Gebäude, Schulgröße, Ausstattung etc.), Zukunftsplanung, ev. auch auf eine kurz zurückliegende Vergangenheit der jeweiligen Schule beziehen.
Es wäre folglich durchaus verständlich, wenn die Homepage auf den Link „Schulgeschichte“ verzichtete. Die frühzeitliche Entwicklungsgeschichte – insbesondere die NS-Zeit – kann ja nicht zur Werbung genutzt werden und sagt kaum etwas über die Unterrichts- und Erziehungsarbeit der heutigen Schule aus, könnte also unerwähnt bleiben.

Allerdings: Ein ehemaliger Steglitzer Bürgermeister schrieb,
„… dass Wege und Irrwege deutscher Geschichte auch an der Geschichte einer Schule ablesbar sind.“3)
Diese knappe Aussage lässt sich durch die noch immer vorhandenen Schulakten belegen.
Für die „Irrwege deutscher Geschichte“ waren ja nicht nur die NS-Führer und deren große Organisationen verantwortlich. Auch auf den kommunalen Ebenen (Schule, Schulverwaltung) wurden wesentliche Elemente der NS-Ideologie in das alltägliche Leben integriert – und zwar von Anfang an und sehr umfassend.
Schulgeschichtliche Darstellungen gewinnen damit also auch in der Homepage der Schulen - insbesondere der Gymnasien – Bedeutung.

In der Homepage fast aller Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf weist die Schulgeschichte aber eine Lücke auf.
Die Schulgeschichte ist bei nur sehr wenigen Ausnahmen weitgehend „entnazifiziert“, „entsorgt“.
Ein Beitrag zur „Schlussstrich-Diskussion“?

Homepagedaten

Drei Schulen geben in ihrer Homepage keine Informationen über ihre Geschichte.
Die hier eingearbeiteten Informationen des Fichtenberg-Gymnasiums enthalten zwar nur wenige konkrete Fakten, lassen aber keinen Zweifel an der Beherrschung der damaligen Schule durch das NS-System; ergänzend wird auf eine vertiefende Publikation von Marianne Büning4) verwiesen.

Die folgenden Daten sind den aktuellen Homepages entnommen - ohne schulbezogene Zuweisungen (Ausnahme: Arndt-Gymnasium).
Die Zuweisungen können aber in der Regel über die Fußnoten erschlossen werden.

„... glücklich, dem Vaterland dienen zu können ...“

  • 1918: „Das Kollegium bleibt fast unverändert und sichert in fachlicher und pädagogischer Hinsicht Kontinuität.“5)
  • 1930: „Auf Erlass des Herrn Ministers führt die Anstalt fortan die Bezeichnung ‚Hindenburg-Oberrealschule’.“ Lebhafter Dank und größte Freude.6)
  • „1933 - 1945: Für die Nationalsozialisten ist Ziel der weiblichen Erziehung die kommende Mutter.
    An der Fichtenbergschule werden Stunden in den Naturwissenschaften reduziert und Fächer wie Vererbungslehre, Rassenkunde oder Rassenhygiene, die NS-Ideologie verbreiten und auf den Krieg vorbereiten, neu eingerichtet.
    Der Steglitzer Anzeiger hebt 1933 die von Zucht und Ordnung durchdrungene Schulkultur hervor.
    Die Wirklichkeit an der Fichtenbergschule in der NS-Zeit ist weitgehend gekennzeichnet von Identifikation mit dem NS-Regime und Anpassung.
    Jüdische Lehrkräfte und Schülerinnen müssen die Schule verlassen, werden ausgegrenzt, deportiert und ermordet.“
    7)
  • 1933: „Der Name ‚Tannenberg’ erinnert nicht nur an die Tage höchster Leistung und höchsten Ruhmes und ist so geeignet, vaterländischen Stolz zu erwecken ...
    Gleichzeitig legt sie das Gelöbnis ab, in dieser Auszeichnung eine neue Verpflichtung zu sehen, den Geist der Augusttage von 1914 für immer in der deutschen Jugend lebendig zu erhalten.“
    8)
  • 1933: Versetzung eines Lehrers aufgrund einer unbegründeten Denunziation.9)
  • 1934: Sonderauftrag für verstärkt Flugphysik; neuer Schulleiter, begeisterter Segelflieger, organisierte Flugkurse, „womit er voll auf der nationalsozialistischen Linie lag.“10)
  • 1935: In 28 Klassen werden 1000 Schülerinnen unterrichtet.
    3-wöchige Reisen (Sommer: Wandern, Winter: Skifahren), 5 Ruderboote auf dem Kleinen Wannsee und großer Schulgarten sorgen für Bewegung an frischer Luft.11)
  • 1936: Schülerzahlen gingen nicht zurück, da zunehmend Schülerinnen von städtischen Schulen auf die Private Oberschule umgeschult wurden, offenbar wegen der zunehmenden NS-Erziehung an den städtischen Schulen.12)
  • 1937: Umwandlung der Schule in ein Mädchengymnasium mit Abitur.13)
  • 1938: Drei Schulen erhalten neue Namen
  • 1938: „Die Schule teilte in den folgenden Jahren das Schicksal vieler Gebäude und Institutionen dieser Zeit.“14)
  • 1939: Einsatz der Oberprimanerinnen zu kriegswichtigen Aufgaben – Schichtunterricht – Beschlagnahme des Gebäudes durch die Wehrmacht – Unterrichtsverlegungen15)
  • 1939: „neu gegründete Schule öffnete ihre Pforten.“
    Ausführliche Hinweise auf Anfangsschwierigkeiten.
    „Von dem Ausbruch des Krieges wurde die Schule so schwer betroffen wie kaum eine andere Anstalt. August 1939 folgte der Leiter der Anstalt dem Ruf zur Fahne. Von den 15 Lehrkräften wurden bis Ostern 7 eingezogen …, so dass Stunden der Eingezogenen zum großen Teil von dem übrigen Kollegium erteilt werden mussten. Die Daheimgebliebenen nahmen diese Belastung freudig auf sich;
    sie waren glücklich, wenigstens auf diese Weise dem Vaterland in seinem Entscheidungskampf dienen zu können.
    Ein Teil des Kollegiums arbeitete auch während der Ferien auf den Kartenstellen mit.
    Trotz aller Schwierigkeiten gelang es auch in den Kriegsmonaten, von geringen, vorübergehenden Ausnahmen abgesehen, den Unterricht ordnungsgemäß durchzuführen.
    Am 21.11.1939 veranstaltete die Schule ein Sportfest.
    Aufbau der Sammlungen und Büchereien wurde … tatkräftig in Angriff genommen … Wenn auch Aula und Turnhalle immer noch nicht eingerichtet sind, hat der Bau trotz Kriegszeiten ständig Fortschritte gemacht.“
    16)
  • 1940: Entlassung der Abiturientenklasse zum „Hilfsdienst“ für den Krieg – Schülerinnen erhalten das Abiturzeugnis ohne Prüfung – Unterricht wird eingeschränkt, weil Lehrerinnen und Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen werden – Wegen der Bombenangriffe werden Mädchen in ländliche Gebiete verschickt.17)
  • 1941: Schülerinnen werden in „Kinder-Landverschickungslager“ geschickt – Das Gebäude dient für eineinhalb Jahre der SS als Reservelazarett, dann als Behelfskrankenhaus – Schule bekam einen neuen Namen.18)
  • 1943: Ende des Unterrichts – Verschickung – Nutzung des Gebäudes als Notunterkunft und öffentlicher Luftschutzraum – Verlegung der Schule wegen der Bombenangriffe – Ein Teil des Schulgebäudes zerstört – Schule wird geschlossen – Schulgebäude schwer beschädigt – Infolge eines Luftangriffs brennt die Schule fast völlig aus – Unterricht wird eingestellt – Schüler und Lehrer werden evakuiert – Schulgebäude wurde von der Kriegsmarine und einer kriminalbiologischen Abteilung der Polizei beschlagnahmt.19)
  • 1944: Mädchenschule und Grundstück an die Stadt Berlin verkauft.20)
    Bereits 1940 hatte die Schulgründerin ihr Amt als Schulvorsteherin niedergelegt und eine Nachfolgerin, NSDAP-Mitglied, bestimmt.
    Eine Ehemalige: „… Übrigens kam Hitler einmal zu Frau NN, obwohl sie jüdischer Abstammung war; aber sie war auch die Schwägerin von General Litzmann, und der feierte 1935 in ihrem Haus seinen 85. Geburtstag …“
    (Litzmann war General der Infanterie, Chef der Kaiserlichen Kriegsakademie, 1914 siegreich bei Lodsz – ‚Litzmannstadt’; 1932 NSDAP-Abgeordneter und Alterspräsident im Reichstag; 1936 Staatsbegräbnis. Der Name des sehr einflussreichen Generals schützte zunächst wohl auch über dessen Tod, 1936, hinaus die Schulgründerin und ihre Schule vor offenen antisemitischen Angriffen, die sich aber nach 1938 verstärkten:
    „So sehr dieser ‚Judenschule’ … auch auf Ortsgruppen- bis Gauebene zugesetzt wurde …“
    Auch der Enkel des Zwillingsbruders von Frau NN vermutet, dass nach dem Tod des Generals Frau NN antisemitischen Verunglimpfungen ausgesetzt war. Auch deswegen zog sie sich zurück. Ein Verkaufszwang, „Arisierung“, liegt nahe, ist aber nicht unmittelbar nachzuweisen. Auch Alters- und Gesundheitsgründe spielten eine Rolle. In der Schule liegt über diese Vorgänge eine längere Korrespondenz vor.)

Arndt-Gymnasium (AGD)

„Die Sache ist alles, die Person ist nichts.“

Wenn nicht anders angegeben, sind alle Angaben dem Homepage-Text von Hilmar Werner (AGD) entnommen.21)

Arndt-Gymnasium: Großbildansicht

  • 1914: 52 Schüler melden sich als Kriegsfreiwillige. 140 Schüler werden in der „Jugendkompanie Dahlem“ vormilitärisch ausgebildet. Schon 1914 sind vier Schüler und ein Lehrer gefallen.
    „Dulce et decorum est pro patria mori“ stand an der neuen Orgel („Süß ist es und ehrenhaft für’s Vaterland zu sterben“).
  • 1919 rufen die „Freikorps“ zum Eintritt auf – am AGD nicht ohne Erfolg:
    Zu Beginn des „Dritten Reichs“ war etwa ein Drittel der Schüler im „Jungstahlhelm“ aktiv. In der Jugendorganisation der DNVP „Scharnhorst“ waren Schüler des AGD organisiert.
„Wer vor 1933 an einer höheren Schule als Lehrer zu wirken hatte, bemühte sich vergeblich, wenn er die Jugend für die Weimarer Republik zu gewinnen dachte.
Gab es an sich schon kaum Lehrer, die solches im Sinne hatten, so hätte auch das einmütige Bestreben eines ganzen Kollegiums an dem Zustand nichts geändert.“
(Wachsmuth)

  • Ehemaliger Schüler:
    „Im Januar 1919 schlug die Brigade Lüttwitz ihr Hauptquartier in Dahlem auf. Wir fühlten uns gedrungen, bei diesem verdienstlichen Werk mitzutun. Direktor und Lehrer, national bis auf die Knochen, beurlaubten uns gern zu diesem nachkriegsfreiwilligen Einsatz.“
  • 1919: Die Schüler lehnen die Einführung von „Schülerräten“ ab.
  • 1920: Die Eltern lehnen die Einführung eines „Elternbeirates“ ab.
  • 1928: Einweihung des „Ehrenmals für die Gefallenen“:
    Ein Schüler legt einen Kranz nieder: „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen.“

„Trotz einer gewissen inneren Distanz soll die schwarz-rot-goldene Flagge am AGD nicht als ‚schwarz-rot-senf’ verspottet worden sein, obgleich man die schwarz-weiß-rote eher als die eigene empfand.“

  • 1933: „Der politische Umschwung wurde von den meisten im Kollegium mit großer Hoffnung begrüßt.“ (Wachsmuth)
    Willfährige Konzessionen an die NSDAP, Aufruf zur todeswilligen Opferbereitschaft für die ‚Volksgemeinschaft’.“
Die „Dahlemer Blätter“ berichten von den „hervorragenden Waffentaten“ der eigenen Lehrer im Kriege und vom „opfermutigen Sterben der Soldaten“.

  • Gedichte des AGD-Studienrats Dr. Christians, z.B.:
    „Wir lieben das Land, das uns dunkel gebar ...
    Aber droht ihm der Tod und drängt die Gefahr,
    Dann bringen wir singend zum Opferaltar
    Unser Blut und halten die Wacht.“

    Oder:
    „Kriegskameraden ...
    Kameraden des Krieges, des immer drohenden Todes,
    Blutsbrüderschaft tranken wir alle.
    Wir alle sind immer noch eins mit dem Heere der Toten,
    Und ewig schlägt unser Herz den Takt: Kameraden!“
Ein ehemaliger Schüler:
„… wir ahnten dumpf die Schrecknisse des Hinweises ‚Sei still, sonst kommst du ins KZ‘. Wir wussten um den Terror – und im Lehrerzimmer wusste man es auch.“

  • „Bekennende“ Nazis erschienen sehr selten in Uniform und warben Schüler nur aus besonderen Anlässen, der „Bewegung“ beizutreten (so ein Religionslehrer, der gelegentlich in SA-Uniform erschien).
  • „Wohl trat nun ein großer Teil der Schüler freiwillig in die Jugendorganisation der Partei ein und die älteren über achtzehn Jahre in die SA. Aber von der SS hielten sich anscheinend alle fern.“

Am AGD war eine national-konservative Elite auf innere Distanz gegenüber dem ‚Nazi-Pöbel’ gegangen und beschränkte sich auf äußere Konformität. Dies konnte jene Elite sich leisten, weil sie mächtig genug war.
Dennoch: Manche innere Konformität des „Arndter Geistes“ mit dem Nationalsozialismus Man verachtete die Nationalsozialisten als die „Partei der kleinen Leute“
Jene Rechtskonservativen waren froh, dass die „Braunen“ ihnen die „rote Gefahr“ vom Leibe hielten ... Also spielt man äußerlich mit:
Die Fahnen wurden gehisst, die Schüler vor dem Hakenkreuz in Reih und Glied versammelt und zum kollektiven Hitler-Gruß verdonnert; gemeinsam musste man die Reden von Hitler, Goebbels und Göring aus dem Volksempfänger in der Aula über sich ergehen lassen, zur Nationalhymne das Horst-Wessel-Lied absingen.
Man war im Jungvolk und in der HJ; die Mädchen im BDM.
Eine Hälfte hat nicht erlebt, dass man bei Unterrichtsbeginn mit „Heil Hitler“ und erhobenem Arm grüßen musste, die andere Hälfte jedoch hat dies durchaus bewusst registriert, sogar dass der ein oder andere Lehrer das Ritual auch mit Überzeugung absolvierte.
Die einen haben im Unterricht rückblickend keinerlei ideologische Färbung wahrgenommen; den anderen ist nicht entgangen, dass es Ideologie war, wenn im Rahmen des Biologie-Unterrichts über Erblehre bei gewissen Lehrern Schädel vermessen wurden, die Menschen in „höherwertige“ und „minderwertige“, ja „zersetzende Rassen“ eingeteilt wurden, und man zu verinnerlichen hatte, was „Rassenschande“ war.
Aber dass Jesus ein Arier gewesen sei, und kein Jude, das hörte man nicht im Religionsunterricht (obwohl einer der Fachlehrer aktiver Nazi war), sondern las man im „Stürmer“, der in einem Schaukasten am Thielplatz aushing.
Im Englischunterricht wurden nun bevorzugt Geschichten von Kriegshelden behandelt.
Im Deutschunterricht: Kampf, Krieg, Heldentum.
Und natürlich wurden Hitlers Reden oder Auszüge aus ‚Mein Kampf’ schon 1933 nicht nur im Unterricht gelesen, sondern auch für Themen deutscher Aufsätze benutzt...“
Kafka, Brecht, Döblin oder Thomas und Heinrich Mann … wurden verdrängt; Autoren wie Binding, Beumelburg, Kolbenheyer, Molo, Anacker oder Grimm („Volk ohne Raum“) nahmen ihren Platz ein.

Fachunterricht (besonders Geschichte, Alte Sprachen, Biologie, Deutsch22) ) und Jahresarbeiten waren von der NS-Ideologie durchzogen;
auch Abituraufgaben, z.B.: „Warum bin ich in der SA?“ oder „Warum muss der junge Deutsche heute einer politischen Jugendorganisation angehören?“23)

Auch am AGD wird der Unterricht durch nationalsozialistisch geprägte Schulveranstaltungen ergänzt: Filme, politische Feierstunden und -tage, Flaggenhissungen ...

  • 1.9.1939: 15 Lehrer werden eingezogen, darunter Direktor Kappus.
    Feiern und Paraden jagten sich. Gedenktafeln, Mahnmale oder Stahlhelm tragende Übermenschen wurden auch am AGD in Auftrag gegeben.
  • 1945: Über 500 Angehörige der Schule sind gefallen.
„Ich selbst habe in diesem Sinne gelebt: nationale Jugendbewegung, Freikorps, Wehrmacht, NSDAP, vor der Machtergreifung versteht sich.
Die Reue fing 1933 an, vermochte allerdings die militärische Loyalität nicht aufzuheben.
Es folgten drei Jahre der Buße in Gestalt der Amtsenthebung durch die Besatzungsmacht, die ich als gerechtfertigt und fruchtbar erfahren habe.“
(Prof. Karl Rohde)

Eine seltene und daher hervorhebenswerte Einschätzung.
Anders dagegen die noch 1986 formulierten Feststellungen zur Amtsführung und Amtsenthebung des damaligen Schulleiters des Steglitzer Gymnasiums Sommer (→ Gymnasium Steglitz (Heese-Gymnasium)).

Diese Schulbiografie unterscheidet sich in ihrem Faktenreichtum, in ihrem Bemühen um Geschichtsehrlichkeit, auch in den politisch-pädagogisch akzentuierten Wertungen deutlich von allen anderen Internetdarstellungen.
Eine solche schulgeschichtlich informierende Homepage-Darstellung ist für die heutige Generation sinnvoll. Wie die Heutigen solche Informationen beachten und werten, muss ihnen überlassen bleiben. Die Homepage dieser Schule wird jedenfalls dem Diktum ihres ehemaligen Schulleiters Wachsmuth gerecht: „Schulgeschichte ist ein Widerschein der Zeitgeschichte.“


zurück zum ⇐ Start
zurück ← Der Bezirk Steglitz – Zehlendorf
weiter → Aus den Schularchiven der Gymnasien

1) Walter Spencker, in: Beethoven-Gymnasium, Festschrift 1984, S. 41
2) A. B. Wachsmuth, in: Arndt-Gymnasium, Homepage, Geschichte der Schule: Bildschirmfotos
3) Beethoven-Gymnasium, Festschrift 1984, S. 3
4) Marianne Büning, Werte im Wandel, Berlin, 2003; dort viele Einzeldaten zur Geschichte dieser Schule und umfangreiche Bibliografie zu „Unterricht und Erziehung im Nationalsozialismus“
5) , 7) Fichtenberg-Gymnasium, Homepage, Werte im Wandel: Bildschirmfotos
6) , 10) Lilienthal-Gymnasium, Homepage, Historie: Bildschirmfotos
8) Willi-Graf-Gymnasium, Homepage, Namensgebung: Bildschirmfotos
9) , 13) Beethoven-Gymnasium, Homepage, Schulgeschichte: Bildschirmfotos
11) , 14) Droste-Hülshoff-Gymnasium, Homepage, Geschichte der DHS: Bildschirmfotos
12) , 20) Werner-von-Siemens-Gymnasium, Homepage, Geschichte: Bildschirmfotos
15) , 17) , 18) , 19) aus diversen Homepages
16) Dreilinden-Gymnasium, Homepage, Geschichte: Bildschirmfotos
21) Arndt-Gymnasium, Homepage, Geschichte der Schule: Bildschirmfotos
22) Arndt-Gymnasium, Festschrift 1983, S. 23 ff., 45 f., 91 ff, 205 ff
23) Arndt-Gymnasium, Festschrift 1983, S. 23
 
Besucher: 0455758 online: 002 aus_den_homepages_der_gymnasien.txt · Zuletzt geändert: 2008/06/17 15:22
 
Creative Commons License Valid XHTML 1.0